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Hotspots | Stuttgart: Felix Baden-Württemberg


Glücklich das Land, das wirklich eine Qual der Wahl kennt, wenn es darum geht die besten Bauten aus drei Jahren zu küren. Diesen Eindruck konnte zumindest der Besucher der Ausstellung des „14. Hugo Häring Preises“ in Berlin gewinnen, dessen Ergebnisse im Frühsommer für zwölf Tage in der Landesvertretung Baden-Württembergs präsentiert wurde. Auf überdurchschnittlich hohem Niveau zeigte sich die Baukultur des Ländles und Badens, als ob es dort in den letzten Jahren nicht wie andernorts eine Baukrise, wachsender Kostendruck und banale Investorenarchitektur gegeben hätte.

652 eingereichte Projekte unterschiedlichster Bauherren und Größenordnungen sind nicht nur eine stolze Zahl, sondern auch Ausdruck einer sehr stabilen Baukultur der Region wie sie wohl nur wenige Bundesländer vorweisen können. 151 Projekte schafften es in die Endrunde. Neun von ihnen erhielten den renommierten Hugo Häring Preis, unter anderen die „Südwestmetall-Gebäude“ von Dominik Dreiner in Heilbronn bzw. Allmann-Wappner-Sattler in Reutlingen, das „Bosch Haus Heidehof“ von Kulka in Stuttgart oder die „Kirche der Christengemeinschaft Pforzheim“ von Loebner-Schäfer-Weber.

Sehr schwer muß die Wahl der Jury gefallen sein, denn schon die kleine Auswahl von weiteren Projekten der Endrunde für die Berliner Ausstellung und noch mehr das recht dicke Buch „Architektur in Baden-Württemberg 2006“ zum „Hugo“ demonstrierten, daß ohne Weiteres mindestens 20 andere Gebäude den Preis hätten erhalten können. Dabei fielen besonders zwei Aspekte den Berliner Besuchern ins Auge. Wenn auch am Ende nur ein Projekt einer Kommune, nämlich die Stadt Lauffen mit einem Feuergerätehaus von Bernd Zimmermann einen „Hugo“ erhielt, so scheint doch in Baden-Württemberg mehr als andernorts noch der öffentliche Bauherr als Auftraggeber zu existieren, der vorbehaltlos für Qualität eintritt. Und noch weitaus größer war die Konkurrenz hervorragender Projekte auf dem Feld privater Büro- und Gewerbebauten, welche sogar interessante Einkaufsmärkte mit einschloss.

Nur der Wohnungsbau jenseits der Dimension des eigenen „Häusles“ hatte wenig Bewegung und Weiterentwicklung zu bieten. Dies jedoch war fast der einzige Wermutstropfen einer überaus überzeugenden Schau, die den „3. Weißenhof-Architekturförderpreis“ einschloß, mit man nun nicht mehr allein den Architektennachwuchs des eigenen Landes, sondern aller deutschsprachigen Architekturhochschulen würdigt. Dessen fünf Preisträger Pascal Flammer, Birk+Heilmeyer, AFF, Bernardo Bader und Sohrab Zafari boten sehr unterschiedliche architektonische Ansätze und Themenfelder, die sich mit ihren Modellen und Präsentationstischen gut gegenüber den Werken der Altvorderen behaupten konnten, die wenig Gemeinsames, aber viel Anregendes zu bieten hatten. Individualismus und architektonische Vielfalt auf höchsten Niveau boten sie wie auch die meisten Projekte des „Hugo“, die aber nur selten deutliche Positionen bezogen auf öffentlichen Raum und städtische Struktur erkennen ließen.

So gibt es selbst in Baden-Württemberg noch viel zu tun, um Baukultur über das einzelne Projekt hinaus in der Öffentlichkeit und dem Raum der Stadt zu verankern. Ben Kauffmann als Vorsitzender des BDA-Landesverbandes machte daraus in seiner Eröffnungsrede auch kein Hehl, in der er die Differenzen zwischen Architekt und Laien durchaus selbstkritisch reflektierte und mehr Dialog sowie Verantwortung forderte. Unter der Prämisse, daß es „bei Gebäuden auch stets um ein Stück Heimat“ ginge, pflichtete ihm Wolfgang Rheinhardt bei, der Bevollmächtigte Baden-Württembergs in Berlin, der mit unverkennbaren viel Stolz von der Baukultur seines Landes sprach.

Claus Käpplinger

Foto: Dominick Dreiner Architekt BDA, König Metallwerk Gaggenau, Auszeichnung Guter Bauten 2005
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