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Bund Deutscher Architekten

Deutsches Architektur Zentrum



Nicolaische Verlagsbuchhandlung Berlin
Heft 1 / 2002
Qualität der Architektur


inhalt


Qualität der Architektur: Ein Versuch
Uwe Schröder, Andreas Denk

In ihrem einleitenden Beitrag zur vorliegenden Ausgabe von "Der Architekt" denken die Autoren in Anlehnung an Wilhelm Schmids Überlegungen zur Kultur als Lebensgestaltung über eine künftige Architektur nach, deren Aufgabe es sein könnte, "Lebens-Formen" zu entwerfen, die die Entfaltung der Individuen und der Gesellschaft im ganzen ermöglichen. Eine solche Architektur würde nicht nur sich, sondern auch die Gesellschaft als Kunstwerk begreifen. Die vorliegende Ausgabe soll zur Erhellung des nicht quantifizierbaren, dunklen Qualitätsbegriff der Architektur beitragen.

Wann ist Architektur gut (I)
Das Paul-Löbe-Haus von Stephan Braunfels in Berlin

Falk Jaeger

Der Architekturkritiker Falk Jaeger bezweifelt die Objektivität und auch die Objektivierbarkeit der Architekturkritik. Insbesondere sieht er die "numerische Ästhetik" der siebziger Jahre an den Rand gedrängt, da zu allem Inspiration gehöre und die sich durch keine Regelästhetik erzwingen lasse. Auch wissenschaftliche Diskurse helfen zur Klärung der Qualitätsfrage nicht wirklich weiter, da Architektur in komplexeren öffentlichen Zusammenhängen steht. So lassen sich der Meinungspluralismus und die vielfältigen Beurteilungskriterien von der Architekturkritik nicht regulieren, sondern allenfalls stimulieren.

Wann ist Architektur gut?
Peter Märklis Stiftung 'La Congiunta' in Giornico

Hartmut Frank

Da es keine objektiven Kriterien hinsichtlich des Guten und Schönen in der Architektur gibt, stellt sich die Frage, wer darüber zu entscheiden hat, wie von "kollektiver Subjektivität" getragene Qualitätsurteile dennoch zustandekommen. Peter Märklis Stiftung 'La Congiunta' in Giornico zeige - so Frank - eine "Vergesellschaftung des subjektiven Urteils über architekturästhetische Fragen", nämlich eine neue "Baukonvention", die auf "einer selbstkritischen Einschränkung der künstlerischen Autonomie des Architekten" basiert sowie auf "der durch die Fachkritik geförderten intensiven Auseinandersetzung mit den Auftraggebern, Nutzern und Betrachtern der Architektur".

Von der Baukultur zur städtebaulichen Qualität
Eckart Leipprand

Der neu eingeführte Begriff "Baukultur" meint - wie E. Leipprand beklagt - nicht einen "auf gemeinsamen Wertbegriffen beruhenden Konsens Vieler, was eine gemeinsame Sache, nämliche eine Kultur, ausmachen würde, sondern eher die spektakulären und sich von allem Gemeinsamen abhebenden Werke von Einzelnen." Nach seinem Verständnis muß eine Baukultur - soll sie gesellschaftliche Solidarität fördern - vor allem als "Städtebaukultur" begriffen werden.

Gestaltung. Zur Sinngebung eines freien Berufs
Kaspar Kraemer

Kaspar Kraemer konstatiert eine tiefe Krise sowohl des Berufsstands als auch eine Krise der berufsständischen Vertretungen, die zur Infragestellung des Berufsbildes des Architekten führt. Was das besondere Berufsethos des Architekten begründet, sind der "Wille zur Gestaltung, die Sehnsucht nach Schönheit, die Schaffung einer lebenswerten Umwelt in Verbindung mit der Schonung der natürlichen Ressourcen". Sind die Rahmenbedingungen dieses Gestaltungswillens beim "Prozeß des Weltumbaus" gesellschaftlich bedingt, so müssen sie jedoch von den Berufsverbänden und insbesondere vom BDA mit seinen spezifischen Idealen und Zielen wenigstens beeinflußt werden.

Baukultur. Ein architektonischer Diskurs
Ludwig Fromm

Nach L. Fromm muß der architektonische Funktionsbegriff um lebensweltliche Belange bereichert werden. Dabei gilt es, über die von der tradionellen Architektur vernachlässigten Kriterien der "Atmosphärengestaltung", der räumlichen Ordnung ("Das Ordnende") und der Sinnhaftigkeit ("Das Sinnstiftende") lebensweltliche Bezüge zu schützen oder neu zu schaffen. Das stellt den spezifischen Beitrag der Architektur an der Kulturarbeit der Gesellschaft dar.

Initiative. Eine Bundesstiftung Baukultur
Karl Ganser

Ein Jahr nach Gründung der "Initiative Architektur und Baukultur" ist die Lage der Baukultur nicht allzu rosig. Zur Durchsetzung der damit verknüpften vielschichtigen Anliegen hat das DAZ eine "Bundesstiftung Baukultur" vorgeschlagen, die unter der Führung eines "Konvents der Preisträger" möglichst auf bundesgesetzlicher Grundlage entstehen soll. Das Wirkungsfeld der Stiftung sollte sich auf wesentliche Kommunikationsinstrumente wie den "Bericht zur Lage der Baukultur", das "Schwarz-Weiß-Buch zur Baukultur", die "Hauptstadt der Baukultur" und das "nationale Experiment der Baukultur" beschränken.

Qualität. Von der poetischen Kraft der Architektur
Dorothea Franck und Georg Franck

Die Autoren konstatieren für die sich über die Funktionalität definierende moderne Architektur das Fehlen einer sinnlichen Motivation. Wesentliche Voraussetzung für eine sowohl ästhetische wie ethisch ansprechende, dem subjektiven Erleben Rechnung tragende neue Architektur sei deshalb eine poetische Qualität, die sich über die Kategorien der Motiviertheit, Verdichtung, Resonanz, des Gleichgewicht, der Einfachheit und glücklichen Koinzidenz definiert. Die Autoren sehen bereits eine Periode der sich über die technischen Möglichkeiten erhebenden "Regeneration" anbrechen, die sich diesen Prinzipien einer Poetik der Architektur verdanken.

Die zwei Akademien der Künste in Berlin 1960 und 2002
Martina Düttmann

Martina Düttmann beschreibt die unterschiedlichen Voraussetzungen, Aufgaben und baulichen Ausprägungen von Werner Düttmanns Akademie der Künste am Rande des Tiergartens aus dem Jahre 1960 und von Günter Behnischs vor der Vollendung stehender Umbauung der alten Akademiesäle am Pariser Platz. Während Werner Düttmann auf die Verwandlungsfähigkeit der Räume und dabei auf die Gestaltungskräfte des Lebens setzte, erblickt die Autorin bei Behnischs Auseinandersetzung mit den historischen Sälen eine das bloß Formale übersteigende Anpassung an "etwas atmosphärisch Gegebenes".

Architekt BDA: Kurt Ackermann
Andreas Denk/Alice Sàrosi - Kurt Ackermann

Kurt Ackermann sprach mit Andreas Denk und Alice Sàrosi über seine Bauten, den Werdegang, das Verhältnis zu seinem Lehrer Eiermann und zu Mies van der Rohe sowie über die Entwicklung und Organisation seines Büro.
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