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Nicolaische Verlagsbuchhandlung Berlin
Heft 10 / 2002
Die Familie


inhalt


Die Familie
Iris Reuther

Iris Reuther fragt nach den "Demarkationslinien in unseren Nachbarschaften, Lebensstilgruppen und eigenen Biographien". Hinsichtlich der Berührungspunkte und Grenzverläufe in den Alltags- und Stadtwelten gelingen - so die Autorin - lediglich Momentaufnahmen, die sich nur schwer mit relevanten Raumerfindungen und formalen Lösungen verknüpfen lassen. Reuther stellt fest, dass uns dabei fast alle Dimensionen, Konventionen und Angelegenheiten des Familienlebens und des Familieseins wesentlich näher liegen als die Erfordernisse eines wirtschaftlichen Strukturwandels oder die Gesetze des Marktes.

Die Familie als Netzwerk
Hans Bertram

Bertram beschreibt den Wandel in der Konstellation von Familie, Arbeit und öffentlichen Einrichtungen. Dabei wird die innerfamiliäre funktionale Arbeitsteilung sich zunehmend flexibler. Die Zeitorganisation zwischen Familie und öffentlicher Erziehung wird nicht - wie bisher - allein vom Lebensalter der Kinder abhängig sein, sondern von der Zeitorganisation in der Arbeitswelt. Das Modell der Familie als Haushaltsgemeinschaft wird ersetzt werden durch das Modell der Familie als einer an unterschiedlichen Orten anwesenden Beziehungsgemeinschaft.

Lebensgewohnheiten von Patchwork-Familien
Gerhard Bliersbach

Patchwork-Familien als Produkt der Moderne sind vor allem durch die Beziehungs- und Bindungswechsel der Lebenspartner entstanden. Sie gehören - so Bliersbach - "zu dem großen, ungeplanten psychosozialen Experiment der Differenzierung der Lebensformen". Dabei erweisen sich die "unklaren Grenzen" zwischen den neuen und alten Familienkonstellationen, die komplizierten Beziehungsgeflechte und die unbekannten Intimitätsgrenzen der Mitglieder als Grundprobleme der Patchwork-Familien.

Plädoyer für die Hausfrauenfamilie
Karin Jäckel

Zwei voll erwerbstätige Eltern, der überwiegende Umgang mit bezahlten professionellen Bezugspersonen und der Verlust eines Elternteiles nach der elterlichen Trennung oder Scheidung führen bei Kindern zu Geborgenheits- defiziten. Deshalb plädiert Karin Jäckel, Kindern mehr Mutter und Vater zu geben. Ein Erziehungsgehalt für Eltern, das diesen ermöglicht, selbst für ihre Kinder da zu sein und sie nicht nur zur eigenen Freude, sondern auch zum Nutzen der Gesellschaft persönlich groß zu ziehen", ist für die Autorin eine "politische Pflicht".

Familien-Aufbruch mit Zukunft?
Gabriele Kämper

Für die Autorin ist ein patriarchalische und autoritäres Familienmodell, das auf geschlechtlicher Arbeitsteilung und Rollenzuschreibungen basiert, überlebt. Die Autorin geht davon aus, dass aufgrund der besonderen Reflexions-, Toleranz- und Kommunikationsbereitschaft, Zuverlässigkeit und Gewaltfreiheit von gleichgeschlechtlichen, bi- und transsexueller Eltern der Alltag in Regenbogen- familien demokratischer gelebt wird als in herkömmlichen Familien.

flexibel - variabel - disponibel
Rüdiger Krisch

Der Autor geht der Frage nach, ob "veränderliche Familien veränderbare Grundrisse" brauchen. Da die Individualisierung der Lebensstile und Zeitpläne der einzelnen in einem Haushalt lebenden Personen zunimmt, bedarf es klar definierter und abgetrennter Rückzugsbereiche in der Wohnung. Dabei erscheint die kurzfristig veränderbare flexible Wohnungseinteilung zwar reizvoll, für Familien aber weniger praktikabel und nachhaltig als nutzungsneutrale Grundrisse aus gleichwertigen, nicht zweckgebundenen Räumen.

Das Neue Kind
Horst Eberhard Richter

Nach H.E. Richter liegen die Gründe für die extrem niedrigen Geburtenzahlen in Deutschland nicht nur in mangelnden Betreuungsangeboten und verlängerten Ausbildungszeiten, sondern in der Verunsicherung angesichts der sogenannten Reproduktionstechnik, die mehr und mehr Macht über das Fortpflanzungs- geschehen gewinnt. Richter meldet Zweifel an, ob sich ausreichend starke Widerstandskräfte regen werden, um die "größenwahnsinnige menschengemachte Evolution aufzuhalten", mit der sich Kinder schon im Embryonalstadium fragwürdigen Bedürfnissen anpassen lassen und so zum Produkt werden.

Bororo, Nambikwara und ein kleines Glas Rum
Claude Levy-Strauss

Geleitet von der Einsicht, daß der "natürliche Mensch" der Gesellschaft weder vorausgegangen noch ihr äußerlich ist, beschreibt Claude Levy-Strauss (Auszüge aus seinem erstmals 1955 erschienenen Buch "Traurige Tropen") die nach Geschlechtern aufgeteilten und organisierten Lebens- und Wohnformen der Bororo- und Nambikwara-Indianer im brasilianischen Mato Grosso.

Sozialer Wandel und Wohnen
Rotraut Weeber

Nach Rotraut Weeber müssen gebaute Wohnungen auf die Veränderungen der sozialen Verhältnisse, des Zeitgeistes und der Lebensumstände jedes Einzelnen reagieren können. Qualitätsmaßstäbe neuer Wohnprojekte und Wohnanlagen sind etwa die Aufgliederung in kleine überschaubare Abschnitte, die Größendifferen- zierung der Wohnungen, die Neutralität der Räume oder - alternativ - Selbstbestimmungsmöglichkeiten in der Bauherrengemeinschaft.

Planung und Ausführung: Auf dem Weg zur neuen DIN 18030
Dagmar Everding, Karl Deters

Die Autoren stellen die neue DIN 18030 vor, die die verschiedenen Normen zum Barrierefreien Bauen für alle Bereiche des Bauens zusammenzufasst. Die Norm ist zur besseren Anwendbarkeit zweistufig aufgebaut. Dabei stehen am Anfang die grundsätzlichen Anforderungen für alle Bau- und Planungsaufgaben, während sich das zweite Kapitel den Anforderungen für besondere Bereiche wie Straßen, Plätze, Wege, öffentliche Verkehrs- und Grünanlagen sowie Spielplätze, ferner für öffentlich zugängliche Gebäude und Arbeitsstätten sowie für Wohngebäude und Rettungswege widmet. Neu aufgenommen wurde ein Kapitel zu sensorischen Anforderungen und zu Anforderungen an Rettungswege.
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