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Nicolaische Verlagsbuchhandlung Berlin
Heft 11 / 2002
Vernetzte Systeme


inhalt


Vernetzte Systeme
Günter Pfeifer

Günter Pfeifer erklärt in dem vorliegenden Text die Absicht dieser Ausgabe von "Der Architekt" zum Thema "Vernetzte Systeme". Die Architekten neigen hinsichtlich der neuen Energiesparverordnung und hinsichtlich der Nutzung von Regenwasser und Wind noch immer zu Spezialisierungen und zur Lösung von Einzelproblemen, anstatt über die Erhöhung des Lebensfähigkeit des ganzen Systems nachzudenken. Ökologisches Bauen bedeutet aber Gebäude als kybernetische Systems zu betrachten. Erst diese kybernetische Betrachtungs- und Denkweise erlaubt es, alle architektonischen, technischen, funktionalen, gestalterischen, sozialen und psychophysischen Belange und Komponenten der Architektur aufeinander abzustimmen.

Das kybernetische Prinzip
Günter Pfeifer

Günter Pfeifer setzt sich ausführlich – und an konkreten Beispielen (Produktionsgebäude für Verpackungen für die pharmazeutische Industrie, Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene der Universität Freiburg) – mit den kybernetischen Prinzipien des ökologischen Bauens auseinander. Von entscheidender Bedeutung ist die Vernetzung der architektonischen, technischen, funktionalen, gestalterischen, sozialen und psychophysischen Einzelaspekte, die jeder für sich – noch einmal befördert von der neuen Energiesparverordnung – durchaus schon zum allgemeinen Wissensstandard gehören, allerdings meist nicht sinnvoll miteinander verbunden werden. Die vielfach geäußerten Befürchtungen, daß ökologisches Bauen alles noch technoider und geregelter machen und die baukünstlerischen Momente zurückdrängen würden, sind nach Pfeifer unbegründet. Mit dem neuen kybernetischen Instrumentarium potenziert sich für Pfeifer sogar die Erfindunsgabe Imagination.

Die Grenzen des Grünstreifens
Robert Kaltenbrunner

Robert Kaltenbrunner setzt sich mit der Frage der bisher noch wenig durchgesetzten Nachhaltigkeit in der Architektur auseinander. Klassische Betätigungsfelder wären die Nutzung von Altbauressourcen, das Versickern von Regenwasser an Ort und Stelle, das solare Bauen und die konsequente Kreislaufwirtschaft. Als Widerstände einer in die Breite gehenden Nachhaltigkeit führt Kaltenbrunner ökonomische Faktoren an. Ein weiterer Grund für die mangelnde Umsetzung der Nachhaltigkeit scheint – trotz einiger überzeugend realisierter Exempel – noch immer im Feindbild "Öko-Architektur" zu bestehen. Voraussetzung einer nachhaltigen Entwicklung sei das Zusammenspiel von technologisch-ingenieurmäßigem Handeln und gesellschaftspolitischen, wertebasierten und werteorientierten Ansprüchen.

Vom Bauhaus zum Baumhaus
Michael Braungart

Michael Braungart beklagt die Globalisierungserscheinungen auch in der Architektur. Er plädiert gegen die "Wohnmaschinen" und mit Architekten wie Volker Hartkopf oder Vivian Loftness dafür, zugunsten der Gesundheits- und Umweltverträglichkeit natürliche Systeme zu fördern und Häuser als "Umverpackung von Menschen" mit natürlichen Regelungsmechanismen zu begreifen. Erstrebenswert sei die Konstruktion von "ökoeffektiven" Gebäuden, die wie Bäume der Umwelt nicht nur nicht schaden, sondern ihr nützen. Braungart verweist auf eigene Projekte im Bereich Wohn-, Industrie- und Bürogebäude, in denen das Gebäude aus kreislauffähigen Materialien mehr Energie erzeugt, als es verbraucht. Die von ihm propagierten standortabhängigen "Bauwerke als Bäume" fördern die Vielfalt von natürlichen Lebensformen und respektieren die örtlichen kulturellen Gegebenheiten. Die klassischen Kriterien des Bauens, Kosten, Ästhetik und Funktion, werden so ergänzt durch ökologische Intelligenz.

Das „Haus der Zukunft“
Hermann Blumer

Hermann Blumer beschreibt den nun in Wildhausen (Schweiz) zu besichtigenden Prototyp seines "Haus der Zukunft", das als attraktives Energiesparhaus im Zusammenhang mit der Haus- und Minergiemesse 1999 in Biel entstand. Das vor allem aus Glas und Holz bestehende Haus zeichnet sich aufgrund einer Fassade, die mit einer Glasscheibe und einem Receiver die isolierende und speichernde Innenhülle wärmt, durch hohe Energieeffizienz sowie durch große Nutzungsflexibilität aus. Es ist charakterisiert durch seine kompakte Bauweise und Einfachheit und kann dank der vorfabrizierten Elemente mit ortsansässigen Handwerkern und Spezialisten und frei auszuwählenden Planern und Unternehmern gebaut werden.

Ein klassisch vernetztes System
Wulf-Peter Schmidt

Wulf-Peter Schmidt beschreibt den Produkt-Lebensweg eines Automobils – in Analogie zu Gebäuden – als klassisches Beispiel eines vernetzten Systems, an dem Zulieferer und Hersteller, Nutzer und Entsorger beteiligt sind. Diese stehen untereinander in einem dynamischen Verhältnis, das sich optimierend auf die Umweltaspekte der Mobilitätsträger auswirkt.

Planung und Ausführung: Trilogie im Baustoffrecycling
Axel Seemann, Frank Schultmann und Otto Rentz

Der Planungsbeitrag stellt Forschungs- und Entwicklungsarbeiten zur Frage der Kostensenkung beim Gebäuderückbau vor. Danach ist eine Kostensenkung durch eine gezielte Kopplung der Prozesskette "Demontage", "Sortierung" und "Aufbereitung" zu erreichen. Hierzu gibt es ein vom Deutsch-Französischen Institut für Umweltforschung entwickeltes EDV-gestütztes Planungssystem, das diese Kopplung schon während der Planungsphase des Gebäuderückbaus ermöglicht.

Nachhaltigkeit: Im Wirrwarr von Begriffen
Peter Steiger

Der Autor begibt sich in das Wirrwarr der Begrifflichkeiten im Umweltbereich. An einigen einschlägigen Beispielen – Begriffen wie Umwelt, Umweltschutz, alternative Energie, Wachstum oder Recycling – zeigt er, wie ungenau oder gar irreführend und damit als Handlungsinstrument unbrauchbar viele Begriffe sind, die mit "Nachhaltigkeit" in Verbindung gebracht werden. In manchen Fällen bezeichnen sie das Gegenteil von dem, was sie meinen. Ein Überdenken der diesbezüglichen Terminologie hält Steiger für unumgänglich, denn: "Bei all diesen neuen Wortschöpfungen handelt es sich ja nicht nur um Definitionen, sondern auch um neue Denk- und Handlungsweisen."
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