zurück zur Startseite
Zeitschrift des Bundes Deutscher Architekten BDA

SCHNELLSUCHE

da-Buchshop

da-buchshop

Partner


Bund Deutscher Architekten

Deutsches Architektur Zentrum



Nicolaische Verlagsbuchhandlung Berlin
Heft 12 / 2002
Alt vs. Neu


inhalt


Umnutzung alter Bausubstanz als architektonische Aufgabe
Artur Mandler

Die Umnutzung und Erneuerung des Bestandes sind wesentliche Faktoren einer nachhaltigen Siedlungsentwicklung. Neues Bauen in alter Umgebung und der gegenüber Neubauten kostengünstigere Umbau alter Bausubstanz blicken auf eine lange Tradition zurück. Die Prinzipien der Auseinandersetzung mit Baudenkmalen finden sich bereits bei Georg Dehio und in der Charta von Venedig (1964) formuliert. Danach gilt es, die Qualitäten des zu Erhaltenden freizulegen und das Neue so authentisch hinzuzufügen, daß es als Neues zu erkennen ist. Nach Aufassung Mandlers erfordern gerade Umbauprojekte "gestalterische Kreativität". Bei den Eingriffen in den Bestand müssen Denkmalpfleger und Architekten als Partner auftreten, da erst deren Zusammenwirken eine höhere Gestaltqualität sichert.

Konstruktion, Rekonstruktion
Francesco Collotti

F. Coletti fragt nach dem angemessenen Verhältnis zwischen alt und neu? Er vertritt die Auffassung, daß die in der zeitgenössischen Architekturdebatte vertretene Annahme, daß Restaurierung und Entwurf klar von einander geschieden werden müßten, vordergründig und irrig sei. Die Tendenz zur "Musealisierung" im Umgang mit dem Alten sei sowenig zu akzeptieren wie das Überfrachten ganzer Gebieten mit kontextlos-funktionellen Gebäuden auf der anderen Seite. Alte Gebäude müßten vielmehr auf ihre innerlich noch lebensfähigen Formen und Typen untersucht und im Sinne eines entwerfenden und komponierenden Handelns umgewandelt und so einer neuen alltäglichen Nutzung wieder zugänglich gemacht werden. Denn: "Architektonische Elemente bekommen in einem anderen Organismus erneut einen Sinn."

Trennung: RuhrMuseumZeche Zollverein, Essen
Roger Diener

Möblierung: Das Palais de Tokyo, Paris
Anne Lacaton und Jean Philippe Vassal

Ergänzung: Die Casa Isolada, Alenquer
Manuel Aeres Mateus und Francisco Aeres Mateus

Instandsetzung: Besucherinformationszentrum, Criewen
Claus Anderhalten

Schichtung: Das Erwin-Schrödinger-Zentrum, Berlin
Daniel Gössler

Transformation: Der Kulturspeicher, Würzburg
Peter und Christian Brückner

Weiterbau: Die Kantonsschule, Rychenberg
Jost Haberland

In den Texten der Architekten zu ihren Bauten treten unterschiedlichen Herangehensweisen im Umgang mit dem Bestehenden zu Tage. Bei Peter und Christian Brückner geht es um die Transformation eines Würzburger Lagerhauses zu einem Kulturspeicher; bei der Casa Isolada in Alenquer von Manuel Aeres Mateus und Francisco Aeres Mateusum geht es um Ergänzungen; bei Daniel Gösslers unmittelbar an eine alte Flugzeughalle angebauten Neubau des "Erwin-Schrödinger-Zentrum" um ein direktes und gleichberechtigtes Aufeinandertreffen unterschiedlicher neuer und alter Texturen, Oberflächen und Farben. Wie mit dem Alten umzugehen ist, wenn bei der Instandsetzung eine Rekonstruktion des Urzustandes nicht möglich ist, andererseits aber die Spuren der Geschichte sichtbar bleiben sollen, zeigt Claus Anderhaltens Besucherzentrum Criewen. Jost Haberland erläutert in seinem Bericht den Weiterbau der 1960-1963 von Eric Lanter unter corbusianischem Eindruck errichteten Kantonsschule Rychenberg in Winterthur; der Erweiterungsbau führt die Komposition der Baukörper aus den sechziger Jahren weiter, verwendet für die Fassaden aber Sichtbeton, der jedoch nicht mehr mit Bretterschalung, sondern aktualisiert mit Schaltafeln hergestellt ist. Anne Lacaton und Jean Philippe Vassal schließlich beschreiben die streng am Vorhandenen orientierten Leitprinzipien ihrer Wandlung des 1937 als Museum für Moderne Kunst gebauten – in den neunziger Jahren bereits entkernten – Palais de Tokyo zu einem Ort des zeitgenössischen Kunstschaffens in Paris.

Die Zukunft des Bestands
Uta Hassler und Niklaus Kohler

Die Autoren fordern in ihren Überlegungen zu einer Baupolitik der Zukunft sowohl in Bezug auf Gebrauchsgüter und die Ästhetik als auch in einem ganzheitlich-kulturellen Sinn einen Paradigmenwechsel. Ihr Ideal ist die bestandserhaltende Langfristigkeit. Im Bereich des Bauwesens hieße das gleichzeitig technische Innovation, aber auch Vermeidung von Aufwand. Die Geschichte müsse in ihren kulturellen und gebauten Dimensionen als nicht reproduzierbare Ressource begriffen werden, um so die ökonomische und ökologische vernünftige Vorstellung einer möglichst langanhaltenden Nutzung des Vorhandenen in praktisches Handeln umzusetzen. Die Herausforderungen sehen die Autoren dabei vor allem in der Reparatur der Baumassen der Nachkriegszeit liegen.
Seite drucken | Seite empfehlen | zum Seitenanfang