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Heft 2 / 2000
Ein Tag im Leben des X
inhalt
Das Berufsbild der freien Architekten ist breit gefächert: Idealisten sind die meisten, wenn nicht alle, die sich unmittelbar in dieser Profession herumschlagen: Von der ungebrochenen idealistischen Betreiberin eines Kleinbüros über den Großbüroteilhaber mit Managerqualitäten, vom Allrounder bis zum Berufsanfänger sind die Haltungen und Mentalitäten breit gestreut.
Den weitaus größten Anteil der unmittelbar im Berufsfeld Tätigen machen selbstverständlich die angestellten Architekten aus, die in Büros, bei kommunalen oder staatlichen Behörden, bei Industriebetrieben, in Wohnungsbausgesellschaften arbeiten.
Auch freie Tätigkeiten wie jene des Gutachters oder eine Tätigkeit im Bereich der Denkmalpflege verlangen genauso viel Engagement und Liebe zum Objekt wie zum Detail, daß sich zumindest eine generell andere Attitüde nicht feststellen läßt. Überrascht ist man bei nährerem Hinsehen über die Palette der Tätigkeiten, die darüber hinaus von ehemaligen Architekturabsolventen beherrscht werden.
Die Zeitschrift Der Architekt hat eine Reihe von Architekten, die sowohl im klassischen Berufsfeld des Architekten angesiedelt sind, wie auch andere Berufsbilder abdecken, gebeten, ihren Arbeitsalltag zu beschreiben:
Für die in Berlin und Köln als freie Architektin tätige Ute Piroeth gestaltet sich der Tag als Mischung aus Organisation, Koordination, Terminplanung und eigentlicher Tätigkeit als Architektin. Ihr Alltag beweist: Von besonderer Wichtigkeit im Leben der ArchitektInnen ist neben der Entwurfs- und Bautätigkeit stetes Missionieren und Kommunizieren.
Jürgen Engel (Jahrgang 1954) kennt keinen Alltag. Als Teilhaber des Großbüros KSP, Frankfurt, beschreibt er sein von Teamarbeit, straffer Zeiteinteilung, gut koordinierten Organisationsabläufen, Baustellenbesuchen und zahlreichen Abendterminen geprägtes, sich täglich anders gestaltendes Arbeitsleben. Für ihn ist sein Beruf ein "Spagat zwischen Kreativität und Management".
Michael Bräuer (Jahrgang 1943) ist Architekt, Stadtplaner und Denkmalsanierer in Rostock und weiß sich vor Terminen kaum zu retten. Fensterdetails und Fragen des Sonnenschutzes bestimmen den Tagesablauf ebenso wie Bauberatungen vor Ort, Besinnungsphasen im Büro und Gedanken über die verhängnisvolle Konzentration der Stadt- und Regionalentwicklung auf Großprojekte und "events".
Manchmal neigt sich ein Arbeitstag von Thomas Deilmann (Jahrgang 1950) seinem Ende - und den ganzen Tag über wurde kein Wort über die Hauptsache verloren, über die Architektur. Stattdessen spricht Deilmann von dem durch fortgeschrittene Computerisierung geprägten Büro-Ablauf, von Anstrengungen zur Auftraggsbeschaffung, den Beratertätigkeiten, Marketingfragen in Sachen eigenes Büro, vom Mittagessen und dem Ärger über die Zahlungsmoral mancher Bauherren.
Thomas Nolte (Jahrgang 1953) hat als Leiter der Planungs- und Neubauabteilung der Berliner Wohnungsbaugesellschaft GEHAG alle Hände voll zu tun. Einen Großteil seiner Arbeitszeit und -kraft benötigt er für Rechtsstreitigkeiten und Verhandlungen mit Anwälten, für Termine mit den unterschiedlichen Abteilungen seiner Wohnungsbaugesellschaft und für die Vermittlung der unterschiedlichen Positionen bei Bauherrn und bauausführenden Firmen.
Wilhelm Färber ist als freier Architekt gleichzeitig Sachverständiger für Hochbau, Wertermittlung von Gebäuden und Grundstücken sowie für Mieten und Pachten. Seit 30 Jahren erstellt Färber im Auftrag von Gerichten, Bauherren und Baugesellschaften Schadensgutachten, besonders im Bereich Planungs- und Herstellungsschäden, ferner bearbeitet er Verkehrswert- und Mietwertgutachten für Städte und Privatpersonen.
Eva-Maria Eilhardt-Braune (Jahrgang 1949) ist als Landeskirchliche Baudirektorin in Hannover Mittlerin zwischen Welten: Der Neubau von Kirchen und Gemeindehäusern, die Sanierung von denkmalschützten Kirchen, Restaurationen von Innenräumen, Farbwahl, strittige Orgelstandorte - die Abstimmung jedwelcher Bautätigkeit in den verschiedenen Gemeinden ihres Bezirks gehört zu ihren Aufgaben.
Gisbert Kollenda (Jahrgang 1957) arbeitet als General Manager bei Drees und Sommer GmbH Berlin und leitet seit 1993 die Teilprojekte debis-Haus, Musicaltheater, Spielbank sowie Hochhaus-Projekte am Potsdamer Platz in Berlin. Sein Arbeitstag ist angefüllt mit der Koordination und Abstimmung zwischen planenden Architekten eines Projektes, der Bauleitung, den ausführenden Firmen und - last but not least - den Bauherren.
Jürgen Bredow (Jahrgang 1936), freier Architekt in Darmstadt, hat seit über zwanzig Jahren einen Lehrstuhl für Bauentwurfslehre und Wohnungsbau an der Technischen Universität in Darmstadt. Seine Tage sind übervoll mit Worten und Taten: Neben seiner freiberuflichen Tätigkeit als Architekt nimmt die Lehre an der Hochschule nebst Prüfungen, Forschung und Verwaltung des Fachbereichs viel Zeit in Anspruch.
Klaus Lakotta (Jahrgang 1962) ist Projektentwickler bei Drees und Sommer GmbH Stuttgart. Als Teamleiter des Entwicklungsmanagements "Städtebau und Baurecht" sieht er seine Aufgaben zwischen beraten, moderieren, koordinieren und Grundlagen erarbeiten angesiedelt.
Für Sigurd Trommer (Jahrgang 1944) ist seine Tätigkeit als Stadtbaurat der Stadt Bonn ein Spiel in einem ausdifferenzierten Machtgefüge, in dem die unterschiedlichen Interessen des Bürgermeisters und seiner Dezernate, des kommunalen Parlaments, der Bürger und öffentlicher Institutionen zu berücksichtigen und zu einem Ausgleich zu bringen sind.
Hans-Ulrich Ruf (Jahrgang 1946) arbeitete nach seinem Studium als Architekt in verschiedenen Büros und ist seit 1992 Hauptgeschäftsführer der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen. Neben den Routineaufgaben, die mit der Leitung einer Geschäftsstelle mit über 40 Beschäftigten verbunden sind, gehört die Gremienarbeit zu berufspolitischen und öffentlichkeitsbezogenen Themen zu seinem Kerngeschäft.
Jörg Fehlhaber (Jahrgang 1941) ist Herausgeber der Zeitschrift "Beton Prisma" und Dozent für Baustoffkunde an der Fachhochschule Bochum. Er berichtet über seine Tätigkeit als Direktor im Bundesverband der Deutschen Zementindustrie.
Peter Rumpf (Jahrgang 1941) ist Redakteur der "Bauwelt". Er beschreibt einen typischen (oder doch nicht typischen?) Arbeitstag, in dem geruhsame Frühstücke, kollegiale Mittagessen, zwischenzeitliche Friseurbesuche und Plaudereien mit den Mitarbeitern wichtige Eckpunkte bilden und die Redaktionsarbeit auflockern. "So muß man es sich vorstellen.", resümmiert der Autor seinen hintersinnigen Beitrag, um gleich zu fragen: "Oder doch ganz anders?"
Axel Menges (Jahrgang 1937) ist Verleger von Architekturbüchern, der sich täglich mit Korrekturen, dem Drucker und Autoren zu plagen hat, der Telefonate entgegen- oder auch nicht entgegennimmt, weil er gerade mit einem Architekten unterwegs ist, und der sich freut, als er abends in einer E-Mail einen Hinweis auf eine positive Besprechung seines "Gehry"-Buches in der Washington Post findet.
Anthony Catterwell, der seit 1987 in Frankfurt/Main ein Büro für Architekturreisen unterhält, berichtet, wie er mit deutschen Architekturkollegen eine viertägige kritische Besichtigungstour der neuesten architektonischen Hervorbringungen Londons unternimmt und dabei auch Themen wie Wohnen in der Großstadt nicht außer acht läßt.
Olaf Bartels (Jahrgang 1959) studierte Architektur an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. Zunächst war er als künstlerischer Mitarbeiter an der HdK Berlin, anschließend als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU Hamburg-Harburg beschäftigt. Neben seiner wissenschaftlichen Mitarbeit an verschiedenen Lehrstühlen ist Bartels seit über zehn Jahren als freier Architekturhistoriker, Architekturkritiker und Dozent für Architektur- und Stadtbaugeschichte tätig.
Was er am Tage wirklich geleistet hat, zeigt sich dem Architektur-Fotografen Gerhard Ullmann (Jahrgang 1935) oft erst am Abend in der Dunkelkammer, wenn er die Fotos entwickelt und sieht, ob sie in der Intensität, der Glaubwürdigkeit und ästhetischen Wirkung seinen Ansprüchen genügen.
Stefan Rethfeld (Jahrgang 1970), seit 1999 im Medien- und Kommunikationsbereich des Bundessekretariat des BDA tätig, sinniert in seinem Artikel über die Grenzen des Faches und möchte sich aus seiner Tätigkeit für den BDA heraus mit einem Hochschulführer, einem Buch über junge Architekten und der Zusammenführung von Wirtschaft und Politik für die Belange besonders der jungen Architekten einsetzen und Architektur als "Gedankenkonstruktion in die Zukunft" verstanden wissen.
Zusammenfassung: Alice Sárosi, Martin Seidel
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