SCHNELLSUCHE
|
 |
|
|
 |
da-Buchshop |
|
 |
Partner |

 

|
 |
 |
|
 |
 |
 |
Heft 2 / 2006
Elfenbein und Ebenholz
Ein Traum gerinnt: Die vielbeschworene Multikulturalität ist auf der Realitätsebene der mitteleuropäischen Stadt zu einer polyethnischen Gesellschaftsform geworden. Das erwünschte lustige „Crossover“ der Kulturen findet zwar in bestimmten, aber längst nicht in allen Bereichen des täglichen Lebens statt. Stattdessen beobachten wir mehr und mehr ethnische Segregationen in der Stadt.
Inzwischen sind jedoch die Soziologie und in ihrem Gefolge auch die Urbanistik übereingekommen, Segregation nicht mehr allein als negatives Merkmal der Stadtentwicklung zu sehen. „Ethnisch homogene Stadtteile können für Zuwanderer wichtige Ankunftsorte darstellen, in denen sie eine angemessene Infrastruktur vorfinden“, schreibt Detlef Kurth in der jüngsten „PlanerIn“. Es ließe sich hinzufügen, daß eine gewisse Segregation sogar zum Bestandteil der Identitätsbildung in der Stadt gehört. Hingegen sieht man allgemein „fundamentalistisch begründete Abschottungstendenzen“ als Gefahr für das Gemeinwesen der Stadt, der man dringend begegnen sollte.
Unklar in der jetzigen Situation ist, wer schließlich beurteilen soll, wann Segregation positiv und wann sie negativ wird. Unklar sind auch die Grundlagen, auf denen unsere Annahmen fußen. Und unklar ist deshalb auch, welche planerischen Mittel wir entwickeln müssen – denn wir haben sie noch nicht – um funktionierende Stadtteile zu festigen, ghettoisierte Viertel zu verbessern, um öffentliche Räume so zu codieren, daß sie auf die Raumprägung, Raumwahrnehmung und Raumaneignung verschiedener ethnischer Gruppen passen.
Wir wissen indes nicht einmal genau über das Raumverhalten der verschiedenen Ethnien in der Stadt Bescheid. Wir können vermuten, daß unser entsprechendes Instrumentarium für die Planung von Haus, Quartier und Stadt immer in eurozentristischen Konventionen verbleibt. Diese Ausgabe unserer Zeitschrift versteht sich deshalb als ein Beitrag zur notwendigen Grundlagenermittlung: Wir haben Binnenbilder von ethnischen Gruppen in unseren Städten zusammengetragen, die in Reportageform Bericht davon ablegen, wie die verschiedenen Gruppen den städtischen Raum benutzen, aneignen, vernachlässigen und vermeiden. Vielleicht müssen wir einer polyethnischen Gesellschaft eine Vielfalt von Raumangeboten machen, die zu einer relativen Durchlässigkeit, aber auch einer relativen Geschlossenheit von Haus und Quartier führen kann. Das wäre eine hohe Kunst, die unsere polyethnischen Städte dauerhaft reanimieren könnte.
Andreas Denk
inhalt
Migranten in der Stadt Viktoria Waltz und Yvonne Fischer-Krapohl
Zwei Gesellschaften Josef Kohlbacher
Gelacht wird trotzdem - Russen in Deutschland Matilda Jordanova-Duda
Schwarze Perlen - Afrikaner in Deutschland Alice Sàrosi
Cokkülttürlü - Türken in Köln Ekkehart Schmidt-Fink
Scopa in casa italiana - Italiener in Deutschland Christiane Schütze
Curry, Fußball und Fahrrad - Inder in Deutschland Mona Motiramani
Saudade - Latinos in Berlin Alexander Jachnow und Dinah Stratenwerth
Klein-Tokio am Rhein - Japaner in Düsseldorf Nicole Kohse-Stumpf
Das Beispiel: Olympisches Dorf Turin Steidle Architekten BDA
|
 |
 |
Seite drucken | Seite empfehlen | zum Seitenanfang |
|