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Heft 3 / 2002
UIA Berlin 2002 - Ressource Architektur
inhalt
Der Bund Deutscher Architekten BDA hat sich in seiner fast einhundertjährigen Geschichte stets den veränderten politischen, wirtschaftlichen, technischen und künstlerischen Auffassungen und Problemen gestellt, sie hinterfragt und diskutiert. Diese schon zur Tradition gewordene Grundhaltung spiegelt sich auch in dem XXI. UIA Weltkongress wieder: Mit dem Kernthema "Ressource Architektur" greift der Kongress das Leitbild und die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts auf - die nachhaltige Entwicklung. Die Sicherung der Lebensqualität für zukünftige Generationen verlangt Nachhaltigkeit in einem ökonomischen, ökologischen und sozialen Sinn. Nachhaltige Entwicklung ist kein feststehendes Programm oder ein Bündel konkreter Ziele, sondern ein ganzheitlicher Ansatz, der wirtschaftliches Wachstum unter Bewahrung natürlicher Ressourcen und unter Beachtung sozialer Aspekte anstrebt.
Diese Spannbreite an Forderungen wirft die Frage nach der Rolle des Architekten auf: In welcher Form kann mit architektonischer Qualität und Baukunst auf lokal und global spürbare Umweltveränderungen, auf ein wachsendes Wohlstandsgefälle zwischen Nationen und auf das Leben der Menschen und ihr Zusammenleben reagiert werden? Zugleich stellt sich mit der Frage nach der Rolle des Architekten die Frage nach seiner Verantwortung. Es ist schon immer die originäre und zugleich sinnstiftende Aufgabe von Architekten, Lebensräume und damit Entwicklungsräume von und für Menschen zu gestalten. In der Architektur zeigen sich die Wechselwirkungen zwischen Umweltnutzung und Lebensstilen, sozialen Strukturen und Bedürfnissen, Arbeits- und Konsumgewohnheiten. Architekten kommt folglich ein maßgeblicher Einfluß bei der Überwindung des gegenwärtigen Paradigmas zu: Sie sind die zentralen Mentoren einer nachhaltigen Entwicklung. Denn die Qualität der gebauten Umwelt ist der Rohstoff für unsere Lebensumstände. Diese zu erhalten und zu entwickeln, ist die große Aufgabe der Architektur für das anstehende Jahrhundert.
Nachhaltiges Bauen konkretisiert sich außer durch eine energieeffiziente Bauweise, Modernisierung und Sanierung vorhandener Bestände auch im Willen und der Lust zur Gestaltung. Eine Baukunst, die ihre gesellschaftliche Verantwortung ernst nimmt, muß jenseits spektakulärer und einmaliger Gesten vorrangig Ästhetischen Kriterien gerecht werden und identifikationsstiftende Orte schaffen. Die Schönheit der Architektur verleiht einem Ort das Lebenswerte und das Einzigartige, schafft kulturellen Reichtum und macht Geschichte erfahrbar. Dies ist der Respekt der Architekten gegenüber künftigen Generationen und gegenüber der Umwelt. Mit dem XXI. Architektur-Weltkongreß verleiht der BDA in Zusammenarbeit mit der UIA seiner obersten Maxime, der Qualität des Planens und Bauens in Verantwortung gegenüber der Gesellschaft, eine internationale Stimme - eine Rolle, die der Tradition und dem Selbstverständnis des BDA entspricht.
Der Veranstaltungsort Berlin verdeutlicht dabei jenes Spannungsfeld, welchem sich nachhaltiges Bauen stellen muss: Keine deutsche Stadt hat sich in den zurückliegenden zehn Jahren so umfassend und tiefgreifend gewandelt und dabei auf geschichtliche Brüche, auf unterschiedliche ökonomische Entwicklungen und auf kulturelle Heterogenität reagiert. Berlin wurde gleichermaßen zum Schauplatz für Architekten wie für Architektur, um sich innovativ mit dem Tradierten auseinanderzusetzten und neue Lebens- und Kommunikationsformen zu bilden. Der Wiederauf- und Ausbau der europäischen Metropole ist der Rahmen, um ökonomische und ökologische, Ästhetische und historische Spannungen im gleichberechtigten interdisziplinären und internationalen Austausch zu diskutieren.
Der XXI. Architektur-Weltkongress als Kreuzungspunkt von Kulturen, als Ort der geistigen Auseinandersetzung und als Marktplatz der Innovationen verleiht den dringendsten Aufgaben zur Gestaltung einer lebenswerten Umwelt ihren gesellschaftspolitisch relevanten Stellenwert. Eine der großen Chancen des Kongresses ist es, in einer vom internationalen Flair geprägten Stadt die Architektur als Brücke zwischen Nationen und Kulturen zu etablieren. Im Dialog der Kulturen sind Lösungen zu finden, wie Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung das Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung umzusetzen vermag. Unser Weltkongress bietet die Möglichkeit, unsere Ansätze im Umgang mit der Ressource Architektur einer kritischen Würdigung zu unterziehen, aber auch die eigene Leistungsfähigkeit und Innovationskraft vorzustellen. Lassen Sie sich diese Chance nicht entgehen!
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