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Bund Deutscher Architekten

Deutsches Architektur Zentrum



Nicolaische Verlagsbuchhandlung Berlin
Heft 3 / 2005
Neue Architekten


Land unter für einen ganzen Berufsstand? „Die Zukunft der Architektur hängt ... sowohl von der Reform des Architekturstudiums wie von der des Architektenberufes ab. Das Bauen der Zukunft (kann) vollständig ohne Architekten auskommen ..., wenn diese damit fortfahren, sich an der Vergangenheit zu orientieren. Der zeitgenössiche Architekt wird sich (...) anpassen oder er wird wohl verschwinden, wie so viele andere Berufe verschwunden sind, die unnütz geworden waren und nur noch in der Folklore überlebt haben (wie Holzschuhmacher, Kutscher, Geschirrmacher, Laternenanzünder usw.). Die Vorstellung vom großen Meister-Architekten, der alles kann und alles selber entwirft, ist recht anachronistisch. Sie ist noch möglich für den Bau eines Hauses, aber undenkbar für den Bau von Industrie- und Wohnkomplexen unserer Zeit. (...)

Schließlich kommt es dahin, daß der Architekt seine Stellung gegenüber der Macht der Unternehmer, die auf die Regierungen Druck auszuüben wissen, um Absatz für ihre Produkte schaffen, kaum noch behaupten kann.“ Das schrieb der französische Soziologe Michel Ragon im Jahre 1963. Mehr als vierzig Jahre später – heute - könnte man den analytischen Faden Ragons wiederaufnehmen – und trotz der Auf und Abs, die der Architektberuf seitdem genommen hat, sagen: „Stimmt genau. Der Mann hat recht gehabt.“

Zwar hat sich die Befürchtung des Franzosen im Laufe der Zeit anders eingelöst, als er prognostizierte: Der Beruf des Architekten ist nicht deswegen in Frage gestellt, weil er sich „dem Zeitalter des Glases, der Kunststoffe, der Raketen, der Geschwindigkeit, der anwachsenden Weltbevölkerung, neuer Transportmittel“ nicht hätte anzupassen wissen. Der Wandel des Berufsbilds resultiert aus anderen krisenhaften gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen, die die grenzenlos optimistische und technologiefreundlichen mittsechziger Jahre nichts ahnten: Anfang Juni dieses Jahres verabschiedete der Bundesvorstand des BDA eine Stellungnahme zum „Beruf des Architekten“. Hier heißt es: „Ein nachhaltig geschrumpftes Bauvolumen und seit zehn Jahren konstante oder gar sinkende Baupreise – und damit auch Planungshonorare haben zu einer kaum noch auskömmlichen wirtschaftlichen Situation geführt. (...)

Architekten und Stadtplaner bedürfen einer angemessenen Honorierung, um ihrer gesellschaftlichen Aufgabe nachkommen zu können. (...) Auch in Bezug auf die Deintion und Beschreibung der Leistungen (...) entspricht die HOAI nicht mehr dem tatsächlich viel weiter zu fassenden Leistungsbedarf“. Entsprechend sieht auch der Bund Deutscher Architekten die Notwendigkeit einer umgreifenden Reform des zwar in Teilen im Laufe der vergangenen Jahrzehnte immer wieder angepaßten, im Wesentlichen aber unverändert geltenden Berufsbildes. Daß dabei die Verpflichtung zu gesellschaftlichem Handeln und zur hohen Qualität des baulichen Ergebnisses verpflichtete Ethos des freien Architekten erhalten bleiben muß, ist für den BDA selbstverständlich.

Strittig ist vielmehr die Frage, ob der Architekt sich auf eine Position eines Gestaltungsspezialisten zurückziehen soll, der sich auf Teileistungen oder spezielle Aufgaben beschränkt und den Bauprozeß im Verein mit anderen ausführt, oder ob die Situation unserer Zeit, die die gestalterischen Probleme erkannt hat, die die Zusammenarbeit mit Generalübernehmern und Bauunternehmern mit sich bringt, eventuell sogar wieder eine Wiedergewinnung verlorener Teile des Leistungsbildes des Architektenberufs ermöglicht.

Im wirklichen Leben hat sich insbesondere für jüngere Architekten die Frage nach der Art und Weise, wie sie ihren Beruf ausüben wollen, schon längst gestellt. Neues Selbstverständnis, neue Bürofomen, neue Akquisearten, neue Berufspraxen sind entstanden, die der kaum mehr greifbaren Diversifikation des Handlungsfeldes Planen und Bauen gerecht werden wollen. Aber sind die neuen Plattformen, die house-in-house-Büros, die Mediatoren und Moderatoren wirklich die Antwort auf die Strukturkrise des Architektnberufs? Sind die neuen Arbeitsformen aus der Sicht ihrer Betreiber Idealfälle oder Notlösungen? Welche Dauer können die ausgeklügelten Nischenexistenzen und Wellensurfer eigentlich haben? Und bleibt dabei das gesellschaftliche Engagement und das Bemühen um eine hohe Qualität der Erzeugnisse auf der Strecke? Unsere Auswahl neuer Büroformen, die im folgenden porträtiert wird, folgt nicht zwangsläufig dem Kanon von „jung und erfolgreich“ Gefragt waren vielmehr neue Modelle, Haltungen und Meinungen. Daß dabei der BDA als „Mutterschiff“ des freien Architekten eine ambivalente Rolle spielt, darf dabei nicht verwundern...

Andreas Denk


inhalt


Freiheit der KunstAndreas Denk

Dokumentation der Reden und Stellungnahmen 1. BDA-Tag und Verleihung des Großen BDA-Preises

Der Prozeß ist nicht das Ziel ASTOCOlaf Winkler im Gespräch mit Peter Berner und Markus Neppl

Besuch im Café Honigfalle BlauraumOlaf Bartels

Ein Planungsbüro in Halle - ComplizenClaus Käpplinger im Gespräch mit Andreas Haase und Tore Dobberstein

Es gibt kein verbindliches Muster mehr - DeadlineClaus Käpplinger im Gespräch mit Britta Jürgens und Matthew Griffin

Berlin-Los Angeles-Beijing - GraftClaus Käpplinger im Gespräch mit Thomas Willemeit

Fanschals und Ehrennadeln - PAM/ExilhäuserOliver Herwig

Licht und Farben - Realities UnitedFrank Peter Jäger

Eine Architekturplattform - RheinflügelKlaus Englert

Avantgarde – die neue Rolle des Architekten - SHE_archOlaf Bartels

Equipment für Orte im Wandel - urbane projekteTorsten Birne im Gespräch mit Iris Reuther und Martha Doehler-Behzadi

Redesign Deutschland

Das Beispiel: Mitarbeiterrestaurant Boehringer Ingelheim, 2004Kauffmann Theilig & Partner
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