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Deutsches Architektur Zentrum



Nicolaische Verlagsbuchhandlung Berlin
Heft 4 / 2002
Generationskonflikt


inhalt


Generationskonflikt
Karin Wilhelm

Aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklungen der vergangenen Jahre und der Auswirkungen auf die Baubranche und das Wettbewerbswesen haben sich die Voraussetzungen des Architekturberufs grundlegend verändert. Insbesondere junge Architekten und Berufseinsteiger haben darunter zu leiden. Immer mehr Managementqualitäten des Architekten sind gefragt, während die kreativen Aspekte des Entwerfers zurückgedrängt werden. Mit der vorliegenden Ausgabe will Karin Wilhelm fragen, unter welchen Voraussetzungen Newcomer zu Architekten werden können, die sich am Markt erfolgreich behaupten.

Erfahrung
Walter Benjamin

In seinem kleinen Text setzte sich der noch junge Literaturkritiker und Schriftsteller Walter Benjamin (1892-1940) mit dem Begriff der Erfahrung auseinander. Falsch verstanden wird Erfahrung zum "Evangelium des Philisters", das nur zu Trost-, Sinn- und Geistlosigkeit führt. Denn der Philister verlegt sich, weil er nicht zum "Großen und Sinnvollen aufblickt", einseitig auf Erfahrungswerte und bekämpft so die Jugend.

Das Rezept für den Erfolg
Louisa Hutton und Matthias Sauerbruch im Gespräch mit Karin Wilhelm

Karin Wilhelm sprach mit Louisa Hutton und Matthias Sauerbruch über die Situation und Chancen junger Architekten. Themen waren Planungskultur und Wettbewerbe, "erste Erfolge" im Architektenleben und eine daraufhin erfolgende Festlegung auf ein Image sowie Fragen der Originalität beziehungsweise der Anpassung. Wichtige Bestandteile einer Architektenlaufbahn sind für Sauerbruch & Hutton der Glaube an den eigenen Erfolg, persönliche Integrität und in ihrem Fall auch die unhierarchische Organsisation des Büros.

Die Aufgaben finden ihre Leute
Wolfgang Lorch im Gespräch mit Andreas Denk

Positionen
Jan Kleihues im Gespräch mit Alice Sàrosi

Alice Sàrosi sprach mit Jan Kleihues über Mitgliederstruktur, Aufgaben und Absichten des acht Jahre alten BDA-Arbeitskreises "Junge Architektinnen und Architekten" (AKJAA) sowie über die Inhalte und Zielsetzung des soeben erschienenen AKJAA-Buches zu "Positionen junger Architeken in Deutschland".

Für Leidenschaft und Offenheit
Daniel Gössler

Nach Daniel Gössler zeichnet junge Architektur Leidenschaft, Offenheit und die Bereitschaft aus, sich mit anderen offen auseinanderzusetzen. Dabei müssen die Architekten ein theoretisches Fundament legen und sich stets bewußt sein, daß eine als Kunst und weniger als Dienstleistung verstandene Architektur vor allem mit Werten wie Berührung, Wärme, Nachbarschaft, Menschlichkeit, Bewegung und mit Wirklichkeit zu tun hat.

Wider das Primat der Anpassung
Christian Dengler und Gregor Langenbrinck

Die Autoren fordern in ihrem manifestartig gehaltenen "Aufruf zur Auflehnung" die "langweiligen" deutschen Architekten auf, sich nicht widerstandslos dem Primat der Ökonomie unterzuordnen. Sie empfehlen als Mittel, sich davon zu befreien, die Kreativität eines Gehry oder der jungen holländischen Architekten. Die jungen deutschen Architekten werden von Dengler und Langenbrinck insofern kritisiert, als sie ihre Unzufriedenheit mit der etablierten Architektur nicht offen äußern. Zu den konkreten Forderungen der Autoren gehören der Umbau der Architektenausbildung, die Internationalisierung der Preisgerichte, ein globaleres Engagement der Architektenkammern, eine andere Steuerpolitik, die Deregulierung der Baugesetzgebung sowie schließlich die Kultivierung einer ernstzunehmenden Architekturkritik.

Der lange Weg zum ersten Bau
Caspar Seeliger

Im Rückgriff auf Erfahrungen in den Niederlanden, wo junge Architekten häufiger zum Zuge kommen, beschreibt Caspar Seeliger die Kombination von "Wissen und Leistung" als taugliches Leistungsprinzip der Architekturproduktion. Den herrschenden Verdrängungswettbewerb sieht Seeliger nicht nur in den Auswahlbedingungen öffentlicher Ausschreibungen und Wettbewerbe liegen, sondern auch in der Bereitschaft zu vieler junger Kollegen, sich in Großbüros zu verdingen und diese so zu stärken. Besonders Innovation ist gegenüber der Erfahrung ein starkes Argument. Nach Seeligers Ansicht werden sich deshalb diejenigen Architekturbüros behaupten, die über die größere Innovationsfähigkeit und Flexibilität verfügen.

Das Verheißungsvolle der Architektur
SHE_arch

Die Gründung von SHE_arch verdankt sich einer direkten Reaktion auf die von Zukunftsangst und mangelnder Expermentierfreude geprägte architektonische Stimmung. Grundlage des Bauens von SHE ist demgegenüber die Freude an Konzepten, die sich durch "Heterogenität", "Diversifizität", "Komplexität", durch Innovation und Experimentierfreude auszeichnen. Dabei bewahrt sich das Büro seine konzeptionelle und ökonomische Unabhängigkeit durch eine kollektive Organisationsstruktur.

Ein neuer Blick auf die Dinge
Claudia Meixner, Florian Schlüter, Martin Wendt

Die Welle
Susanne Hofmann

Susanne Hofmann realisierte als Architektin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Architekturfakultät der TU Berlin die Modernisierung des Vortragssaals des JFK-Instituts an der FU Berlin als Entwurfsprojekt innerhalb des Architekturstudiums. Für drei Studenten wurde das Studium so zum praxisbezogenen Idealfall, der alle Bauphasen umfaßte.

Schwerelos
Andreas Denk

Zur Lage der Nation: Architekturstudium in Deutschland
Holger Pump-Uhlmann

Der Autor kritisiert bezüglich der Architektenausbildung "Meinungslosigkeit", "Theoriefeindlichkeit" und den Verlust des kulturellen Wertebewußtseins. Auch werden in der Lehre die strukturellen Veränderungen im Architektenberuf nicht wirklich berücksichtigt. Die Konkurrenz der Lehrkörper untereinander und die Verknappung der Bildungsmittel verschlechtern die Ausbildungssituation zusätzlich. Eine Intensivierung der noch immer viel zu wenig interdisziplinär angelegten Forschungstätigkeit und eine Verbesserung der Lehrleistung sei etwa zu erreichen durch die Aufwertung der Assistentätigkeit oder durch die Abkehr von der alten Einheit von Forschung und Lehre.

Planung und Ausführung: Putzhilfe
Walter Schoeller

In seinem Planungs- und Ausführungsbeitrag stellt Walter Schoeller einschlägige Bücher zum Phänomen "Farbe", "Farbe und Architektur" und Oberflächenbeschichtung vor sowie Baufarbenproduzenten im Internet.
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