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Deutsches Architektur Zentrum



Nicolaische Verlagsbuchhandlung Berlin
Heft 4 / 2003
Raum und Leib


Raum ist kontinuierlich. Zunächst einmal gibt es kein oben und unten sondern nur Raum an sich. Der Boden ist sozusagen eine horizontale Wand. Dies stellt die gängigen Vorstellungen der Zuordnung von Flächen zunächst einmal auf den Kopf, ist aber in sich folgerichtig und erlaubt es uns, zunächst einmal freier mit dem Begriff des Raumes und mit der Anwendung von Fügeprinzipien umzugehen. Folglich sind weder Wand noch Boden und Decke im empirischen oder pragmatischen Sinne hinsichtlich ihrer offensichtlichen Nützlichkeit und ihrer Bedeutung für die sinnliche Wahrheit erfasst. Sie werden lediglich als Raum definierende Elemente empfunden oder verstanden. Sie werden einer fließenden Raumfolge oder Raumordnung zugeordnet, die grundsätzlich isotrop ist, richtungslos und durchgehend isomorph. Oben und unten, links oder rechts, hier oder dort, Boden oder Wand, all dies sind Werte die im Bezug auf den Menschen bestimmt werden müssen. Der Raum wird erst durch die Nutzung des Menschen definiert Der Bezug des Menschen auf den Raum wird sich nicht nur physikalisch determinieren lassen; der Bezug von Raum und Mensch bezieht auch psychische Faktoren mit ein.

Unter diese These ist der Titel für die Ausgabe „Körper und Raum“ gestellt. Die Beziehung von Körper und Raum meint nicht nur den physikalischen Körper sondern auch den psychischen, also das was Merlau - Ponty mit Leiblichkeit beschreibt. Das philosophische Leib- Seele- Problem gilt als eines der philosophisch schwierigsten Probleme überhaupt. Es beschäftigt sich mit der Frage, ob es eine psycho-physische Wechselwirkung, also einen Zusammenhang von Seelischem und Körperlichem gibt.

In der Architektur gibt es eine ähnliche Fragestellung. Kann das Körperlich-Seelische Auswirkungen auf das Raumempfinden haben? In der dialektischen Umkehr würde die Frage lauten: Können Räume und deren Konstitutionen das Leib –Seele –Empfinden der Menschen beeinflussen?

Jede Raumerfahrung wird als phänomenologische Erfahrung mit den frühesten Erlebnissen nach der Geburt gemacht. Danach formen sich Raumempfinden und Raumerleben in eine Art Körperskulptur, die uns durch unser Leben begleitet und die uns für das Erleben des Raumes prägt. So sind z. B Temperaturempfindungen, Lichtwahrnehmungen oder das Fühlen von Materie ausgebildete Leiberfahrung oder Leibwissen, wie Kant dies beschreibt.

Günter Pfeifer, Freiburg


inhalt


Der erlebte und gedachte RaumHermann Schmitz, Kiel

Raum und GefühlJürgen Hasse, Frankfurt

Leibliches Wohnen im RaumBernhard Waldenfels

Kultur und RaumBiljana Stefanovska, Darmstadt

Heilsame WirkfaktorenRolf Verres, Heidelberg

Psychophysik der RaumwahrnehmungJosef Lukas, Halle

Ausflug 1: Vom rechten SitzenKarlfried Graf Dürckheim

Ausflug 2: Leg in den Satz dein GewichtBirgit Kempker

Ausflug 3: Hiroshi Nakao: SchwärzeAlban Janson

Ausflug 4: Raumvisionen für die PoligesellschaftWolfgang Meisenheimer

Ausflug 5: Die Kunst der BewegungAndreas Denk und Marianne Risch

Ausflug 6: HormonoriumJean-Gilles Dècosterd, Philippe Rahm
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