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Heft 7 / 2000
Blühende Landschaften ?
inhalt
Die Prager Straße in Dresden -
Ein Städtebau-Denkmal der sechziger Jahre
Gabriele Wiesemann
Die auf einen Ideenwettbewerb aus dem Jahre 1962 zurückgehende und in den siebziger Jahren fertiggestellte Prager Straße ist mit ihren großen Gebäudekuben der "urbanste" Ort im heutigen Dresden. Vorbild des in der DDR einzigartigen Ensembles aus modernen Hotels, Wohnungen, Restaurants, einem Kino und gehobenen Geschäften war die Lijnbaan in Rotterdam aus dem Jahre 1940, wenn auch die Prager Straße als Ausdruck "eines neuen staatlichen Selbstbewußtseins der nun unverbrämt auf eigenem Kurs befindlichen DDR" gilt. Vor dem Hintergrund diverser realisierter und geplanter Eingriffe, Verdichtungen und Aufstockungen, plädiert die Autorin dafür, die wenig geliebte Straße als Ensemble oder einzelne Objekte unter Denkmalschutz zu stellen.
Relikte der Industriekultur -
Das Industriegebiet Plagwitz auf dem Weg ins 21. Jahrhundert
Wolfgang Hocquél
Liegt in Leipzig der Anteil der seit der Wende vorgenommenen Sanierungen bereits bei 74 Prozent, so macht sich auch in dem zu DDR-Zeiten dem Niedergang zustrebenden alten Leipziger Industriegebiet Plagwitz der Aufschwung bemerkbar: Wohnungen werden modernisiert, Industriearchitekturen umgenutzt, Baulücken geschlossen, Ämter angesiedelt, ausgediente Gleisschneisen begrünt und Parkanlagen angelegt. So wird aus dem ehemaligen Industriestandort ein Ort der Dienstleistung, des Handwerks, des Gewerbes, der Kultur und des Wohnens. Eines der ehrgeizigsten Projekte ist das Stadtteilzentrum Elster-Park. Genügt dieses auch gehobenen Wohnansprüchen, so ist ein wichtiges wohnungspolitisches Ziel die Schaffung kostengünstigen Wohnraums für die Plagwitzer.
Blühende Landschaften?
Zum Stand der Denkmalpflege in den neuen Bundesländern
Manfred F. Fischer
War das Aufbegehren der DDR-Bevölkerung nicht zuletzt auch dem Engagement gegen den Niedergang der gebauten Umwelt zu verdanken, so kam es nach dem Mauerfall im Jahre 1990 in einer gesamtdeutschen denkmalpflegerischen Anstrengung zur Formulierung der sogenannten Wartburg-Thesen, die im Rückgriff auf westliche Erfahrungen der ostdeutschen Denkmalpflege zur Seite stehen sollten. Die anschließende Gesetzgebung erwies sich mitunter allerdings wenig konfliktbereit. Je nach Disposition der Verantwortlichen, tat man sich insbesondere mit problematischen Denkmalgruppen wie den politischen DDR-Bauten schwer, während oft die Sehnsucht nach einer heilen Denkmalwelt überwog. Gibt es heute - wie in der gesamten Bundesrepublik - noch viele Kritikpunkte und Probleme insbesondere mit agrarischen Denkmalen, Industrieanlagen und Produktionsstätten, so sind die bei der Rettung, Sanierung und Neunutzung erzielten Erfolge nicht zu übersehen, die in den letzten zehn Jahren dank des Zusammenwirkens der öffentlichen Hand, der Privateigentümer und Stiftungen erzielt werden konnten.
Modelle für den Denkmalschutz
Michael Bräuer
Auch der unübersehbare Verlust von Stadtsubstanz und bürgerlicher Identität führten 1989 mit zur Wende. Schon 1990 kam es in 18 Städten zur Einrichtung des "Modellstadtprogramms" zur Stadterneuerung. Der größte Teil der Städtebaufördermittel fließt seit Jahren in die östlichen Bundesländer und ermöglicht das überaus wichtige "Programm zum Städtebaulichen Denkmalschutz". Ein großer Erfolg ist die Neuerfassung der Einzeldenkmale, die zu einer Verdreifachung des ursprünglich als Denkmal eingestuften Bestandes führte. Natürlich aber stehen viele auch die Zukunft der Denkmale und Denkmalensembles betreffende denkmalpflegerische, städtebauliche, aber auch stadtentwicklungs- oder arbeitsmarktpolitische Fragen der Innenstadtentwicklung noch im Raum. Der Autor plädiert dafür, dem "angeblich unverrückbaren Änderungsdruck aus Europäisierung, Globalisierung, Aktienmärkten und weiteren Vernetzungen" nicht allzu willig nachzugeben und die positiven Aspekte der Tradition europäischer Städte nicht leichtfertig aufs Spiel zu setzen.
Chancen der Aufklärung -
Staatsbauten der dreißiger Jahre als Dienstgebäude
Frank Pieter Hesse
Es gab nach der Entscheidung für Berlin als Hauptstadt der neuen Bundesrepublik Vorschläge, die baulichen Zeugnisse der wenig ruhmvollen diktatorischen Vergangenheiten zu entsorgen. Tatsächlich fiel nur das Gebäude des DDR-Außenministerium dem Abriß anheim. Dem ehemaligen Reichsbank- und späteren SED-ZK-Gebäude am Werderschen Markt, dem ehemaligen Reichsluftfahrtministerium und dem Reichspropagandaministerium wurden dagegen - als Bekenntnis zur Geschichte - neue Regierungsfunktionen zugeteilt. Die einem aufgeklärten Umgang mit der Vergangenheit verpflichtete Denkmalpflege trat durch (nicht immer realisierte) Vorschläge dafür ein, daß bei den unterschiedlichen Umnutzungen der Gebäude deren Geschichte sichtbar blieb.
Dorfkirchen in Not -
Hilfe für sakrale Baudenkmäler auf dem Lande
Hans-Reinhard Dorenburg
Im Unterschied zu den großen mittelalterlichen Stadt- und Klosterkirchen entlang der Handelswege der Hanse an der Ostseeküste ist der Bauzustand der tausend Dorfkirchen im Landesinnern Mecklenburg-Vorpommerns oft desolat. Dabei steht die Schutzwürdigkeit und der kulturhistorische Wert der an Stilen und Materialien reichen Bauten außer Zweifel. Das Kernproblem bei der Rettung der etwa 250 bestandsbedrohten Kirchen ist die Finanzierung; schon die Bestandssicherung ist kaum zu bewältigen und an eine Instandsetzung auf denkmalpflegerischen Niveau momentan schon gar nicht zu denken. Insbesondere kleine Gemeinden sind auf Sponsoren und Patenschaften angewiesen. Besonders wichtig sind lokale Initiativen und der landesweit agierende Verein "Dorfkirchen in Not".
Planstädte des Sozialismus
Holger Schmidt
Die Planstädte des Sozialismus leiden vielfach an sozialen, qualitativen, finanziellen, ästhetischen und städtebaulichen Problemen. Der immer lauter geforderte Abriß einzelner Komplexe erscheint sinnvoll, wenn eine Verbesserung des städtebaulichen Umfeldes und eine Entkernung der oft zu dicht bebauten Quartiere zu erwarten ist. Ansonsten setzt sich bei den Sanierungsvorhaben ein neues, aus dezentraler Perspektive gewonnenes Planungsverständnis durch. Aufgabe der bewahrenden und bauqualitätssichernden Denkmalpflege ist es, solche Planungsdiskurse kritisch zu begleiten und sich um konkrete Objekte zu kümmern. Für die DDR-Planstadt Halle-Neustadt beispielsweise wäre nach der Schutzwürdigkeit einzelner Experimentalbauten und öffentlicher Kunstwerke zu fragen.
An der Ostseeküste... -
Seebäder in Mecklenburg-Vorpommern
Klaus Winands
Viele Häuser in den Seebädern Mecklenburg-Vorpommerns wurden in den letzten Jahren unter Denkmalschutz gestellt. Vielfach kommt es zu Konflikten zwischen Denkmalschutz und Bauherren, die in die historische Substanz eingreifen wollen. Denkmalpflegerische Schwierigkeiten bereiten auch die an großen Palasthotels orientierten, vielfach veränderten Hotels und Pensionen auf Usedom. Gelegentlich werden Rückführungen auf den ursprünglichen Bauzustand gewünscht, ohne daß eine klare Vorstellung vom Vorzustand vorhanden ist. Kritikwürdig ist auch der direkte Rückgriff moderner Architekten auf die Formensprache der alten Bäderarchitekturen.
Denkmale der Hauptstadt der DDR
Jörg Haspel
Wenn sie auch positiver sein könnte, so läßt sich die Bilanz der Ostberliner Denkmäler zehn Jahre nach der Wende doch sehen. Trotz vieler Verluste durch Abriß und gegenteiligen Anstrengungen wurden viele politische Denkmäler nicht aus der Denkmalliste gelöscht, sondern vielmehr gesichert und restauriert. Auch die verpönte "sozialistische Magistrale", die denkmalgeschützte Karl-Marx-Allee in Berlin-Friedrichshain, wurde ästhetisch rehabilitiert und in ihrem ersten und zweiten Bauabschnitt denkmalverträglich saniert. Der 1995 zum Denkmal erklärten Plattenbauwohnanlage in Friedrichshain wurde 1997 der "Bauherrenpreis Modernisierung" zugeschrieben. Auch bezüglich der Reste der "Mauer" setzt sich allmählich die Einsicht durch, daß diese als Denkmal der Geschichte erhalten werden müssen.
Die Spandauer Vorstadt
Thomas Flierl
Die " Spandauer Vorstadt" war die größte und planmäßigste angelegte Vorstadt Berlins. Als ältester erhaltener Stadtgrundriß dokumentiert er geschichtlich und stadträumlich die Charakteristik der Berliner Vorstadtentwicklung und wirkt durch das Nebeneinander von Wohnbebauung unterschiedlichster Entstehungszeit sowie durch die dichte Gewerbeüberbauung prägend für das Gebiet. Bis zu den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts war die Spandauer Vorstadt auch Wohnort jüdischer Zuwanderer mit den dazugehörigen jüdischen Institutionen. Im Zweiten Weltkrieg teilweise zerstört, wurde das Gebiet nach der Teilung Berlin in DDR-Zeiten vernachlässigt und sich selbst überlassen. Lediglich Notreparaturen wurden vorgenommen, ganze Blöcke sollten "abgeräumt" und durch Plattenbauten ersetzt werden. Nach der Wende wurde die Spandauer Vorstadt vom Berliner Senat zum städtebaulichen Sanierungsgebiet erklärt. Heute kann festgestellt werden, daß die Hälfte des Altbaubestandes von etwa 4000 Wohnungen erneuert die die Besonderheiten des Gebiets festgehalten wurden.
Zusammenfassung: Alice Sárosi und Martin Seidel
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