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Heft 7 / 2002
Stadt als Region – Region als Stadt?
inhalt
Stadt als Region – Region als Stadt?
Wolfram Baltin
Wolfram Baltin fragt nach der neuen Rolle der Stadtplanung. Denn in der Regionalplanung ist die Erkenntnis gewachsen, daß sich nicht mehr Pläne und Leitbilder durchsetzen, sondern die wirtschaftliche Interessen und „kommunale Eigenbrötelei“. Trotz eingeschränktem staatlichen Durchsetzungsvermögen müssen die Stadt- und Regionalplanung bei der Umsetzung räumlicher Konzepte die veränderten Bedürfnisse der Bevölkerung hinsichtlich Beweglichkeit, Wohlstand und Sicherheit respektieren. Dabei muß die Planung im Sinne einer integrierten kommunalen Bauleitplanung die Landschafts-, Stadt- und Verkehrsplanung koordinieren und die vielfältigen informellen Planungsansätze ausschöpfen und kategorisch qualitative Normen wie den Schutz der Ressourcen erfüllen.
Wege zur Stadt. Das Beispiel Oberrhein
Klaus Richrath
Der Autor konstatiert die Stagnation der stadtregionalen Planung und die Vernachlässigung der Peripherie, obwohl diese für viele Menschen längst zur „Stadt von heute“ geworden ist. Daß es immer schwieriger wird, konsensfähige Bilder zu vermitteln, liegt für den Autor auch am fehlenden Konsens darüber, was unter „Stadt“ zu verstehen ist. Gerade aber im regionalen Verständnis von Stadt, für das beispielhaft der Oberrheingraben zwischen Frankfurt und Basel stehen kann, werden möglicherweise der „alte Traum der Versöhnung von Stadt und Land, eine Kultur des Widerspruchs, der Toleranz und der Partizipation und die Einsicht in die Endlichkeit der Ressourcen“ sichtbar. Dabei würde die Delegation von Aufgaben „nach unten“ einerseits Chancen auf Mitsprache und Mitwirkung beinhalten, andererseits auch zur Neuordnung der kommunalen Finanzausstattung und stadtregionalen Finanzausgleiche sowie zu größerer Planungsverantwortung verpflichten.
Eine Region wird erfunden
Wolfgang Joswig
Im Rahmen der Internationalen Bauausstellung (IBA) Fürst-Pückler-Land wird von 2000 bis 2010 die Region Lausitz zu einer „Region nach der Kohle“ entwickelt. Einer Vorstellung von Karl Ganser folgend wurden auf „5000 km2 Hoffnung“ neun „Landschaftsinseln“ festgelegt, denen verschiedene Themenschwerpunkte und Einzelprojekte zugeordnet sind. Wolfagng Joswig stellt Aspekte des Projekts vor. Sinnbild dieser aus Bergbauflächen hervorgehenden Kulturlandschaft ist der Baum.
Schwebebahn und Kaffeetafel
Thomas Finkemeier
An der Regionale 2006, dem Entwicklungsprojekt zur Stärkung der Wirtschaft, sind mit Solingen, Remscheid und Wuppertal drei Städte des Bergischen Lands beteiligt. Mit der besonderen Würdigung der Bergischen Unternehmenskultur soll ein Zeichen „für die gemeinsame Bewältigung des Strukturwandels“ gesetzt werden. Auch Vereine sind bei zentralen gemeinsamen Projekten – wie etwa zum Thema „Verkehr“, das vom Zusammenschluß verkehrshistorischer Vereine betreut wird, – engagiert. Als auf die einzelnen Städte bezogene Projekte der Regionale wird Remscheid ein „Kompetenzzentrum Werkzeug und technische Produktion“ einrichten, Solingen betreibt die Entwicklung der südlichen Innenstadt mit ihren Industriebrachen, Wuppertal wiederum die Entwicklung des Talraums entlang der Wupper mit alten Fabrikanlagen, neuen Betrieben und Wohnquartieren.
Alles für die Pänz
Jörg Neubig/Simon Hubacher
Im Frühjahr erhielt die aus drei Städten und vier Kreisen bestehende REGIO RHEINLAND den Zuschlag für die Ausrichtung der REGIONALE 2010 zum Thema „Kultur- und Naturräume in Nordrhein-Westfalen“. Die REGIONALE wird ihre Projekte an drei Schauplätzen entwickeln. Zentrale Projekte sind der „Boulevard Rhein“ mit dem Rhein als bestimmenden Landschaftselement; die „Regionalen Brückenschläge“, die die regionale Kooperation symbolisieren und erlebbar machen, sowie Projekte, die internationales Denken fördern und die Region als Metropolregion positionieren sollen. Für die Umsetzung wurden im Rahmen des diesjährigen zweiten regionalen Zukunftsforums zwei Leitbilder als Säulen der regionalen Zusammenarbeit entworfen; danach soll sich die REGIO RHEINLAND vor allem als Wissensregion und als Familienregion entwickeln.
Grenzflächen
Jochen Scharf
Trotz der Entwicklung neuer Lebens- und Raumformen wird die "Betrachtung vom Standpunkt einer idealisierten Stadt als einzigem Kultur- und Entwicklungsträger" beibehalten. Um die Einseitigkeit der Betrachtung zu überwinden, empfiehlt J. Scharf die Erweiterung des Begriffs "Zentrum" sowie die antithetische Verwendung des Begriffs der "Grenzfläche". Charakteristisch für deren Wechselverhältnis, ist der Umstand, daß die Grenzfläche „sehr sensibel mit starken Veränderungen auf minimale Veränderungen in den Zentren reagiert“. Dabei müssen die Planungsinstrumente für Grenzflächen andere sein als für Zentren. Eine neue Lebensform in einem neuen räumlichen und von allen gewollten heterogenen Gebilde könnte entstehen, wenn Vertreter von öffentlichen und privaten Interessen, ein „öffentlicher Kontrolleur“ und ein Moderator die formalen Abläufe, nicht aber die Inhalte regelten und das Verhandlungsergebnis schnell umsetzten. In Zentren ist eine solche Verflechtung – so Scharf – nicht mehr möglich.
Stadtregion als Zwischenstadt
Thomas Sieverts
Für Thomas Sieverts wäre die – momentan noch kaum realisierbare – "gestaltende Urbanisierung der städtischen Peripherien" eine historische gesellschaftliche Herausforderung. Schwierig wäre der Prozess insofern, als er "die notwendigen und erwünschten Freiheiten der Peripherie, beispielsweise die sich immer wieder durch Strukturwandel und Brachen neu bildenden 'New Frontiers', ebenso respektieren (muß) wie die notwendigen systemaren Eigenlogiken der arbeitsteilig ausdifferenzierten Elemente." Eine gestaltende Planung müßte sich insbesondere um die Übergangs- und Anschlußbereiche kümmern und die isolierten Elemente integrieren.
Neue Regionalplanung?
Harald Bodenschatz/Harald Kegler
Die Autoren empfehlen den hierzulande kontrovers diskutierten New Urbanism als Strategie für die regionale Stadt. Daß der Austausch mit den Vereinigten Staaten zum Thema Regionalentwicklung beiläufig geschieht, erklärt sich aus der geringen Bedeutung, die diesem – zusätzlich von der fruchtlosen Konfrontation zwischen Vertretern der „Europäischen Stadt“ und der „Zwischenstadt“ überlagerten – Thema in Deutschland beigemessen wird. Dabei könnte man hierzulande insofern von den USA lernen, als dort – bei allem Streit darüber, wie im einzelnen die Schwerpunkte zu setzen sind, – die grundsätzliche antithetische Entgegensetzung von Innenstadt und Suburbia vermieden wird. Ziel des New Urbanism ist die Qualifizierung der gesamten Stadtregion, der Regional City.
Regionalplanung als Element der Raumordnung
Heinz G. Hartel
Heinz G. Hartel fragt – trotz der grundsätzlich bestehenden Zweifel an der Verbindlichkeit von Leitbildern – nach der Tragfähigkeit der Regionalpläne, die gemäß den geltenden Raumordnungs- und Landesplanungsgesetzen aus den Raumordnungsplänen zu entwickeln sind. Dabei ist zu bedenken, daß die "Siedlungswirklichkeit" keinen vorstrukturierten Entwicklungen folgt, sondern ihrer eigenen Dynamik. Das aktuelle System der Raumordnung ist relativ schwach und wird von wirtschaftlich und technologisch bestimmten Interessen dominiert. Hartel schlägt Modelle regionaler Raumordnung vor, zeigt Tendenzen einer veränderten Haltung staatlicher Raumordnung auf sowie die Voraussetzungen für eine wirklichkeitsnahe, auf kommunalem Konsens beruhende regionale Planungsarbeit.
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